Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, liebe Freundinnen und Freunde,
wir haben zwischen November 2019 und April 2022 in einer großen WG im Haus in der Friedrich-Schmidt-Straße 54a in Köln-Braunsfeld gewohnt. Angeregt durch Gespräche mit unserer Nachbarin Annemarie Wagner haben wir angefangen die Geschichte des Hauses zu recherchieren. Dazu haben wir alte Telefonbücher des Greven-Verlags herangezogen, waren mit Archiven, dem Bürgerverein Müngersdorf und dem Kölner NS-Dokumentationszentrum in Kontakt.
Die Ergebnisse der Recherchen möchten wir jetzt in die Öffentlichkeit tragen: Im Haus in der Friedrich-Schmidt-Straße 54a lebten vor und zu Beginn des Nationalsozialismus mehrere jüdische Personen, die Opfer faschistischer Enteignung, Vertreibung und Ermordung geworden sind.
Wer lebte im Haus in der Friedrich-Schmidt-Straße 54a?
Informationen zu den Biographien von Opfern der Verbrechen des Nationalsozialismus sind oft unvollständig. So sind es auch unsere Ergebnisse. Es folgt ein kurzer Überblick über einige der Personen, die in der FS54a gelebt haben.
Maria & Rudolf Callmann
Maria (geb. Hess) Callmann und Rudolf Callmann wohnten bis 1936 in der FS54a, in der unteren Etage. Rudolf Callman war der Sohn von Maximilian Callmann, der im Kölner Stadtrat saß und Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde war. Zusammen mit seinem Bruder führte Rudolf Callmann eine Kanzlei für Marken- und Wettbewerbsrecht. Rudolf Callmann war 1930 im Vorsitz des linksrheinischen Landesverbands des »Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens« (CV). 1936 flohen Maria Callmann und Rudolf Callmann in die USA, wo Rudolf Callmann weiterhin als Anwalt praktizierte. Über Maria Callmann konnten wir bisher keine weiteren Informationen finden.
Martha & Samuel Mayer
Auch das Ehepaar Samuel Mayer und Martha Mayer (geb. Joachimczyk) wohnte in der FS54a, in der ersten Etage. Samuel Mayer war zusammen mit seinem Sohn Friedrich Geschäftsführer eines Möbelunternehmens. Er wurde 1942 in Theresienstadt ermordet. Nachdem sie die Friedrich-Schmidt-Straße verlassen hatte, wohnte Martha Mayer noch für einige Zeit in der Bismarckstraße 12. Sie verstarb 1941, laut Todesschein an einer Überdosis des Schlafmittels Veronal. Von der gesamten Familie gelang nur dem Sohn Friedrich Mayer die Flucht nach Frankreich. Seine Frau Eugenie Mayer und die Kinder Erika und Gerhard wurden 1942 im Vernichtungslager Chelmno ermordet.
Else & Isidor Hermanns
Else und Isidor Hermanns lebten 1936 bis 1938 im Erdgeschoss des Hauses. Wir vermuten, dass Isidor Hermanns 1938 nach Belgien floh und er dann 1938 von Mechelen nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde. Über Else Hermanns konnten wir noch weiteren Informationen finden.
Ernestine & Alfred Marx
Weitere Bewohner*innen des Hauses waren Ernestine, genannt Tynia und Alfred Marx. Alfred Marx war ebenso wie Samuel Mayer Unternehmer in Köln. Tynia und Alfred Marx wohnten von 1933–1934 mit ihren Kindern Rita und Karl in dem Haus. Bis auf den Sohn Karl überlebte kein Familienmitglied die Shoah. Tynia, Alfred und Rita Marx wurden 1941 in Chelmno ermordet.
Nähere Informationen – auch zu Täter*innen, die im Haus lebten – findet Ihr auf unserem: Blog
Falls Ihr noch weitere Informationen zu den Personen oder anderen Bewohner*innen der FS54a habt, meldet euch sehr gerne bei unten stehenden Kontaktdaten.
Wie kann man mit der Geschichte dieses Hauses umgehen?
Die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Hauses und dem Wohnumfeld während des Nationalsozialismus ist für uns noch lange nicht abgeschlossen. In Köln-Braunsfeld lebten wie überall jüdische Familien Tür an Tür mit nationalsozialistischen Täter*innen. Wir halten einen offensiven Umgang mit der Geschichte des Hauses für unumgänglich.
Im April 2022 haben wir einen Artikel über die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner*innen in der Kölner Stadtrevue veröffentlicht (https://www.stadtrevue.de/archiv/artikelarchiv/07528-ein-haus-am-stadtwald/).
Am 18. Oktober (19.00 – 21.15 Uhr) stellen wir die Ergebnisse unserer Recherche in einem kleinen Vortrag im Café Zeitgeist vor (Clarenbachplatz 2, Teilnahme kostenlos).
Am 19. Oktober 2022 (11:15 Uhr) werden als weiterer Schritt der Aufarbeitung und Erinnerung Stolpersteine vor dem Haus in der FS54a verlegt. Erinnert werden soll an dieser Stelle an Samuel Mayer, Martha Mayer, Dr. Rudolf Callmann, Maria Callmann und Ellen Callmann. Für Familie Marx gibt es bereits Stolpersteine am Karolingerring 17. Familie Hermanns wohnte zunächst in der Hültzstraße 25, wo es allerdings auch noch keine Stolpersteine gibt. Der Initiator der Stolpersteine, Gunter Demnig wird die Verlegung persönlich durchführen.
Die Verlegung eines Steins kostet 120 € und wird über Spenden finanziert. Wir benötigen daher 600 € und würden uns sehr freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützen möchtet.
Für die Verlegung der Stolpersteine sammeln wir Spenden über den gemeinnützigen Verein
Machbarschaft Petershof e.V.
IBAN: DE55 4306 0967 1283 7537 00, GLS Bank
Verwendungszweck: Stolpersteine
Oder über das Onlinetool unter http://www.petershof.org/verein, Betreff: Stolpersteine
Wenn Ihr eine Spendenquittung wünscht, schreibt bitte eine kurze Mail an info@petershof.org (KLEINGEDRUCKT)
Überschüssige Spenden werden an den Förderverein des NS-Dokumentationszentrums weitergereicht.
Vielen Dank für Eure Unterstützung!
Benni, Ben, Clara, David, Hannah, Hannah, Julia, Marlene, Mona, Nadja, Nora, Ricci, Saskia, Steffen, Till und Tom

Hinterlasse einen Kommentar