Aktuell

  • Recherche-Workshop

    Recherche-Workshop

    Am 15. September gab es einen Workshop zum Thema „Die Geschichte deines Hauses“. Wir haben uns im Petershof in Müngersdorf getroffen und von unseren Recherchen erzählt. Im Anschluss gab es für alle die Möglichkeit eigene Recherchen durchzuführen. Dafür haben wir auf digitalisierte Adressbücher aus den 1930er und 1940er Jahren zurückgegriffen und auch Kartenmaterial genutzt.
    Im Anschluss an den Workshops sind wir noch zum Denkmal am ehemaligen Deportationslager in Müngersdorf gegangen. Dort hat uns der Bürgerverein Müngersdorf etwas über die Geschichte des Ortes erzählt.

  • Radiobeitrag

    Wir haben mit der Journalistin Caroline Nokel gesprochen und sie hat ein tolles Radiofeature zu unseren Recherchen produziert. Es ist zu hören unter:

    https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/lebenszeichen/eine-wg-auf-spurensuche-100.html

  • Louis Napoleon Gymnich – Ein kommunistischer Widerstandskämpfer in Braunsfeld

    Nur wenige Menschen leisteten aktiv Widerstand gegen den Terror der NS-Zeit. Widerstand war mit großen Risiken für das eigene Leben verbunden und auch MitwisserInnen in Familien und Bekanntenkreis waren von Repressionen und Verfolgung bedroht. Trotzdem leisteten auch in Braunsfeld vereinzelt Menschen Widerstand gegen das System, passiv und aktiv, sie informierten über das Vorgehen der NSDAP und widersetzten sich den Vorgaben.
    An manche diese Personen wird heute erinnert, das Gedenken sollte jedoch nicht unsichtbar machen, wie viele Menschen das System gleichzeitig gestützt und unterstützt haben. Zu den Personen, an die in Braunsfeld im Zusammenhang mit dem Widerstand heute noch gedacht wird, zählen der Braunsfelder Pfarrer und spätere Bischof Josef Frings, der Arzt und spätere Leiter des Kölner Gesundheitsamtes Franz Vonessen, der die Mit­wir­kung an ge­setz­lich ver­ord­ne­ten Zwangs­te­ri­li­sa­tio­nen ver­wei­ger­te, sowie der Braunsfelder Drogerist Louis Napoleon Gymnich. Um Gymnich, der für seine Aktivitäten ins Gefängnis und später ins Konzentrationslager gesperrt wurde, wird es im Folgenden gehen.


    Lebensweg

    Luois Napoleon Gymnich wurde 1903 in Opladen geboren. Er hatte einen Bruder und eine Schwester. Der Vater, Louis, machte sich später als Apotheker in Köln-Braunsfeld selbstständig, die Mutter, Gerda, schrieb unter anderem kleine Bühnenstücke und Kinderbücher. Louis Napolen besuchte das Realgymnasium am Sachsenring und nahm ab 1921 ein Studium auf. Er studierte in Köln, Leipzig und Gießen Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften und wurde 1927 zum Dr. phil. promoviert. Nach seinem Studium wurde er Kaufmann, er wechselte häufiger seine Anstellung und reiste viel. Zunächst arbeitete er zwischen 1928 und 1933 bei der Karstadt AG in Paris und Hamburg, bei Leonhard Tietz in Elberfeld und Ludwigshafen und für die Zwecksparkasse Phöbus in Berlin. Anfang der 1930er-Jahre führte er auch das Geschäft seines Vaters fort und betrieb darüber hinaus mehrere Drogerien in der Kölner Altstadt. Louis Gymnich lebte laut Greven Adressbuch 1938 in der Friedrich-Schmidt-Straße 50.

    Die Familie Gymnich entfernte sich politisch nach dem Ersten Weltkrieg und der Novemberrevolution von liberalen oder konservativen Traditionen. Der Vater Louis trat 1921 der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei, sein Sohn war schon mit 15 Jahren als Sanitäts-Soldat des Kölner Arbeiter- und Soldatenrates aktiv. Bald nach Studienbeginn suchte er offenbar Kontakt zu links-radikalen Kreisen, 1923 trat Louis Napoleon der Roten Hilfe, 1925 der Kommunistischen Partei Deutschlands bei.

    Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 kam die berufliche Existenz Gymnichs ins Wanken. Gymnich gab später an, dass er sich gegen den Nationalsozialismus betätigte undso ins Blickfeld der Gestapo geriet. Er verlor seine Anstellung bei der Phöbus AG und auch das Drogeriegeschäft der Familie hatte nun mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Gymnich wurde aus politischen Gründen 1933 festgenommen und in Berlin mehrere Monate in Untersuchungshaft gehalten. Nach der Freilassung kehrte er nach Köln zurück, wo er die Geschäftsleitung einer Drogerie seines Vaters übernahm. Die Drogerie befand sich in der Aachener Straße 244.

    Louis Napoleon Gymnich war zu diesem Zeitpunkt bereits etliche Jahre mit Charlotte Meyer in einer engeren Beziehung, die er während seines Studiums kennengelernt hatte. Die in Krefeld geborene Charlotte Meyer erhielt ebenfalls eine gehobene Schulbildung, auch sie studierte mehrere Jahre – Germanistik, Deutsche Literatur, Theaterwissenschaft in Köln, Leipzig und Gießen – und erwarb ebenfalls den Doktortitel. Sie war gegen Ende der Weimarer Republik und in den 30er Jahren als Journalistin tätig.

    Widerstand und Verhaftung in Köln

    1930 machte Gymnich die Bekanntschaft mit dem gleichaltrigen Hermann Zilles. Sie vertiefte sich zur Freundschaft, nachdem Zilles Anfang 1935 von einer andert-halbjährigen Gefängnisstrafe zurückgekehrt war. Zilles fragte im Sommer 1935 Gymnich, ob dieser seine Räume zur Herstellung von illegalem Druckmaterial zur Verfügung stellen wolle und Gymnich willigte ein. Zusammen mit Zilles Bruder Peter druckten sie in der Folge mit Matrizen, Papier und zwei Abziehapparaten Flugschriften. Sie wendeten sich darin unter anderem an Schutzpolizisten und junge Dienstpflichtige im Wehrdienst und sprachen diese im kommunistischen Sinne an. Kurz nach der Produktion des letzten Flugblatts erfuhr Gymnich von seiner Mutter, dass die Gestapo auf ihn aufmerksam geworden war. Er ließ deshalb die Abziehapparate wegschaffen und verhielt sich eine Zeit lang ruhig. Einige Monate später stellte Gymnich jedoch erneut seine Drogerie der Partei als Materialanlaufstelle zur Verfügung.

    Die Gestapo ermittelte ein knappes halbes Jahr später intensiv gegen die widerständigen Aktivitäten Louis Napoleon Gymnichs. Einer ihrer V-Männer berichtete im Mai 1936, dass er eine Anlaufstelle für Pakete der KPD unterhalte. Eine Woche später wurde eine erfolgreiche Kontaktaufnahme inszeniert, bei der ein Gestapo-Mitarbeiter oder ein Vertrauensmann sich am 21. Juni 1936 in der Drogerie als Gesandter der KPD ausgab und so von Gymnich als solcher empfangen wurde. Am Tag darauf erfolgte die Verhaftung Gymnichs.

    Vier Tage später erließ das Amtsgericht Köln Haftbefehl. Gymnich wurde vom EL-DE-Haus in das Untersuchungsgefängnis Klingelpütz verlegt. Knapp einen Monat später kam es zu weiteren Vernehmungen. Über seine Behandlung in der Zwischenzeit ist kaum etwas bekannt, aber die Ungewissheit über seine Zukunft, die inzwischen bei der Gestapo vorliegenden Aussagen anderer Beteiligter und die Misshandlung und Folter durch die Polizeibeamten während der Verhöre brachten ihn wohl dazu, ein weitgehendes Geständnis abzulegen.

    Wegen »Vorbereitung zum Hochverrat« erhob der zuständige Generalstaatsanwalt in Hamm am 19. Januar 1937 Anklage gegen Gymnich und 62 weitere Personen . Am 24. April wurde Gymnich im letzten großen Kölner Widerstandsprozess zu einer Zuchthausstrafe von acht Jahren verurteilt. Ihm wurden zehn Monate Untersuchungshaft angerechnet, da er geständig war.
    Am Tag, an dem das Urteil gegen Gymnich verkündet wurde, stand Charlotte Meyer in Köln vor dem Schöffengericht. Sie war im Sommer 1936 ebenfalls festgenommen und verhört worden, da Louis Napoleon ihr illegale Schriften ausgehändigt hatte. Meyer, die ebenfalls von Viktor Achter anwaltlich vertreten wurde, sollte wegen Nichtanzeige einer politischen Straftat belangt werden. Sie bestritt jedoch die Vorwürfe und wurde vom Kölner Sondergericht freigesprochen. Während der fast neun Jahre, die Gymnich im NS-Regime in Haft war, blieb sie seine wichtigste private Bezugsperson und Unterstützerin jenseits der Anstaltsmauern.

    Haft im Klingelpütz 1936/37

    Nachdem Louis Napoleon Gymnich im Juni 1936 in den Klingelpütz eingeliefert worden war, unterstand er den Verhaltensregeln einer Justiz, die sich nach 1933 rasch auf die NS-Ideologie eingestellt und den Strafvollzug deutlich verschärft hatte. Die ersten drei Monate dort hatte er keinen Kontakt zur Außenwelt, weil die Gestapo eine Brief- und Besuchssperre beantragt hatte. Im Vergleich zum Untersuchungsgefängnis war die Unterbringung im Kölner Zentralgefängnis jedoch eine gewisse Erleichterung. Es gab Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme nach Außen und Misshandlungen waren eher die Ausnahme. Trotzdem war die Isolation, ein langer Freiheitsentzug, die Unterordnung unter die Regeln und Rhythmen der Anstalt und die Verarbeitung der Erfahrungen bei der Gestapo eine immense seelische Belastung.

    Um sich weiter geistig zu beschäftigen beantragte Gymnich etwa einen Monat nach der Einlieferung Tinte und Schreibpapier in der Zelle benutzen zu dürfen. Mitte August 1936 übernahm der Anwalt Viktor Achter die Verteidigung Gymnichs, Mitte September wurde die Besuchssperre aufgehoben. Über Achter konnten in der Folge Texte, die Gymnich in der Haft verfasste, nach draußen gelangen. Ab Oktober 1936 erhielt Louis Napoleon fast wöchentlich Briefe, und beinahe alle 14 Tage Besuch von seiner »Braut« Charlotte Meyer. Nachdem Gymnichs Anwalt Mitte Dezember 1936 das Mandat niedergelegt hatte, war sie die einzige regelmäßige Besucherin. Gemeinsam verfassten sie in dieser Zeit zwei Kriminalromane. Es erschienen unter Pseudonym 1936 das Buch „Filmstar verschwunden“ und 1937 „Der Kriminalfunk meldet“.

    Haft in Siegburg und Verlegung nach Buchenwald

    Am 24. April 1937 endete Louis Napoleon Gymnichs Untersuchungshaft im Klingelpütz. Wenige Tage später wurde er in die Strafanstalt Siegburg verlegt, wo er seine achtjährige Zuchthausstrafe absitzen sollte. Dort galten schärfere Bestimmungen für Besuche und Korrespondenz als im Klingelpütz, die Häftlinge wurden in die Häftlingsarbeit eingespannt und seit Kriegsbeginn verschlechterten sich Verpflegung und medizinische Versorgung. Es gab jedoch auch neue Möglichkeiten: Ab 1940 wurde Gymnichs Zellenhaft aufgehoben und er konnte sich freier in der Anstalt bewegen. Schließlich wurde er beim Arbeitseinsatz jenseits der Gefängnismauern eingesetzt und nutzte dies, indem er sich an Organisationsbemühungen und Hilfsaktionen der linken politischen Häftlinge beteiligte. Er hielt weiterhin deutliche Distanz zum NS-Regime und wurde deshalb im Juni 1943, ein Jahr vor dem berechneten Haftende, im Rahmen der »Thierack-Aktion« als »unverbesserlicher« Häftling aus dem Strafvollzug herausgenommen und in das Konzentrationslager Buchenwald abgeschoben. Dort fand Gymnich bald Anschluss an KPD-Gruppen, wodurch er vor der »Vernichtung durch Arbeit« bewahrt wurde. In den letzten Monaten des NS-Regimes wurde Gymnich durch die Häftlings-Selbstverwaltung als Blockältester des Sterbe- oder Seuchenblocks eingesetzt, wo die SS kranke Gefangene umbringen ließ, aber auch gefährdeten »Genossen« neue Identitäten verschafft und Überlebenschancen eröffnet werden konnten. Diese schwierige und konfliktreiche Tätigkeit hatte zur Folge, dass Gymnich wie andere Buchenwalder Funktionshäftlinge nach Kriegsende Vorwürfen von Mithäftlingen ausgesetzt war, 1945 vor einem Brüsseler Gericht aussagen musste, von der amerikanischen Besatzungsmacht verhört und 1947 als Zeuge zum Buchenwald War Crimes Trial geladen wurde.

    Leben nach der Haft

    Nach der Befreiung des Lagers im April 1945 kehrte Gymnich nach Köln zurück, wo er sich für eine antifaschistische Politik »im Geiste der Buchenwalder« einsetzte. In der neu gegründeten Kommunistischen Partei, in der Gymnich die Unterstützung seines Freundes und Buchenwald-Leidensgenossen Hermann Zilles, des ersten Sekretärs der Kölner KPD, genoss, absolvierte er eine Blitzkarriere. Im Januar 1946 wurde Gymnich Stadtverordneter und wenig später Feuilleton-Redakteur der kommunistischen Tageszeitung »Die Volksstimme«, für die er selbst zahlreiche Artikel verfasste. Am 28. März wurde er gar zum 2. stellvertretenden Bürgermeister gewählt und im Mai zum Nachfolger Zilles’ als Fraktionsvorsitzender der KPD in der Stadtverordnetenversammlung. Gymnichs Höhenflug brach jedoch in den nächsten Monaten ab. Nach dem Weggang des Freundes Zilles, der im Mai 1946 in die SBZ (Sowjetische Besatzungszone) übersiedelte, hatte er durch seine Eigenwilligkeit und gute Beziehungen zur britischen Besatzungsmacht einen zunehmend schweren Stand.

    Bei den Wahlen im Oktober 1946 zur Stadtverordnetenversammlung kam die KPD nur noch auf zwei Mandate, von denen keines an Gymnich fiel. In der Folge verlegte sich nun darauf, seine politischen Ideen außerhalb der Partei zu realisieren. Im Mai 1947 war er Mitbegründer des »Progress-Clubs« und im September beteiligte er sich an einem fehlgeschlagenen Versuch, in Köln eine neue Linkspartei zu gründen. Parallel dazu wirkte er in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes daran mit, Zeugenaussagen gegen frühere Gestapobeamte zusammenzutragen.

    Außerdem hatte er inzwischen eine Familie gegründet: Im August 1946 heiratete Gymnich Hannelore Müller, die er als Sekretärin der Hilfsstelle für politisch Verfolgte kennengelernt hatte, und bekam mit ihr zwei Kinder. Sein Verhältnis zur Kölner KPD war Mitte 1947 zerrüttet. Da er neben Zilles noch weitere Freunde und Buchenwald-Kameraden in einflussreichen Positionen der SBZ kannte, ging Gymnich Ende 1947 nach Ostdeutschland. Dort konnte er jedoch nicht richtig Fuß fassen und kam um die Jahreswende 1949/50 wieder zurück nach Westdeutschland. In Köln lebte die Familie zunächst vom Gehalt Hannelore Gymnichs, bis Louis Napoleon Mitte der 1950er-Jahre eine Anstellung bei der Wirtschaftsauskunftei »Der Händlerschutz« bekam. Er wurde Chefredakteur der gleichnamigen Halbmonatszeitschrift, für die er bis zum 70. Lebensjahr tätig blieb. Während er weiterhin Kontakt zu früheren Siegburger und Buchenwalder Mithäftlingen pflegte, hielt er Distanz zur Parteipolitik und auch seine schriftstellerischen Ambitionen verblassten. Am 12. April 1981 starb Louis Napoleon Gymnich in Köln.

    Charlotte Meyer, die wenige Jahre danach verstarb, hatte bis zuletzt Verbindung zur Familie Gymnich. Während der NS-Zeit hielt sie engen Kontakt zu ihrem »Verlobten« Louis Napoleon bis zu dessen Verbringung nach Buchenwald. Sie besuchte ihn auf den Außenarbeitsstellen der Strafanstalt Siegburg, brachte Lebensmittel und Bücher mit und versorgte Mithäftlinge mit Informationen über ihre Angehörigen. Nachdem ihr Elternhaus in Krefeld 1943 ausgebombt war, ging sie nach Graal-Müritz an der Ostsee, wo sie eine Pension übernahm. Dort lernte sie Kurt Surmund kennen, den sie im Februar 1947 heiratete. 1953, nach Schwierigkeiten mit der Justiz im Osten zog Charlotte Surmund mit ihrem Mann zurück in den Westen. In den 1950er-Jahren zunächst in Köln wohnhaft, lebte das Ehepaar während der 1960er-Jahre erst in Rösrath, um dann nach Wilhelmshaven zu ziehen, wo Lotte Surmund von ihrem Erbteil ein Hotel pachtete. Schriftstellerisch war sie nun nicht mehr aktiv.



    Quellen:

    Die Abbildung sowie die meisten Informationen stammen aus dem Artikel von Thomas Roth und Ulrich Eumann.

    Thomas Roth/ Ulrich Eumann: »In allem Kitsch ein Funken Wirklichkeit« ; Über zwei Kriminalromane aus dem Kontext des kommunistischen Widerstands im nationalsozialistischen Köln, in: Geschichte in Köln ; Bd. 60, Heft 1, S.87-122.

    https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Projekte/Widerstandskarte/der-koelner-drogerist-dr.-napoleon-louis-gymnich-stellte-in-seinem-labor-anti-ns-schriften-her/DE-2086/lido/dc00018688

    Franz Vonessen:

    https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/franz-vonessen/DE-2086/lido/57c9389eda8a84.52218603

    Josef Frings:

    https://www.gdw-berlin.de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/josef-frings/

  • Frieda Fischer-Wieruszowski und Alfred Ludwig Wieruszowski – Voigtelstraße 26

    In Braunsfeld lebten zur Zeit des Nationalsozialismus viele Personen, die Ziel von Verfolgung und Ausgrenzung wurden. Während an manche dieser Menschen auch heute noch erinnert wird, sind andere quasi vergessen oder waren dies für lange Zeit. Dieser Beitrag widmet sich einem Paar, das in Braunsfeld lebte, dessen Schicksal durch erhaltene Berichte und Tagebücher relativ gut überliefert ist und an die heute, zumindest teilweise, wieder erinnert wird. Beide hatten in der Stadt lange herausragende Positionen inne und wurden ab 1933 schließlich Opfer der Verfolgung und Ausgrenzung, die mit der menschenverachtenden Rassenideologie der Nazis einherging.

    Frieda Fischer, geborene Bartdorff (* 24. März 1874 in Berlin) hatte mit ihrem ersten Mann Adolf Fischer auf mehrjährigen Reisen durch unter anderem China, Myanmar und Japan eine Sammlung Ostasiatischer Kunst zusammengetragen und nach Köln gebracht. Diese Kunstanwerbungen in der Zeit, in der das Deutsche Reich als eine der größten europäischen Kolonialmächte auftrat, geschah ab 1903 auch im Auftrag des Kaisers. Das Paar hatte den Plan ein erstes Museum für ostasiatische Kunst in Deutschland zu eröffnen und dort ihre Sammlung zu präsentieren. Dieses Ziel erreichten sie, indem sie die private Sammlung 1909 der Stadt Köln stifteten. Im Gegenzug finanzierte die Stadt den Bau eines Museum für Ostasiatische Kunst am Hansa-Ring, dessen erster Direktor Adolf Fischer werden sollte und – gemäß des Stiftungsvertrages – im Falle seines Todes Frieda Fischer diese Position übernehmen sollte. Auch eine lebenslange Rente war in dem Vertrag inbegriffen. Das Museum wurde schließlich 1913 eröffnet, die Innenausstattung des Neubaus hatte der jüdische Avantgarde-Architekt Josef Frank geplant. Heute erinnert die Adolf-Fischer-Straße an den damaligen Standort des Museums an der Ecke Bremer Straße und Gereonswall.

    Bereits 1914 starb Adolf Fischer überraschend an einem Schlaganfall und Frieda Fischer übernahm vereinbarungsgemäß die Leitung, als zweite Museumsdirektorin in Deutschland überhaupt. Sie leitete das Museum über 20 Jahre lang. In zweiter Ehe heiratete sie 1921 den Juden Alfred Ludwig Wieruszowski (*6. Dezember 1857 in Görlitz). Er war Senatspräsident am Oberlandesgericht und als angesehener Jurist auch Professor an der Universität zu Köln. Zusammen lebten sie in einem Haus in der Voigtelstraße 26 in Köln-Braunsfeld.

    Als 1933 auch in Köln die NSDAP die Regierung übernahm verließ der 75-Jährige Wieruszowski nach zunehmenden Übergriffen gegen Juden und Jüdinnen und einem immer feindseliger werdenden Klima die Universität. Im gleichen Jahr forderte die Stadtverwaltung alle Amtsleiter*innen dazu auf, Listen mit Namen ihrer jüdischen Mitarbeiter*innen zu erstellen. Frieda Fischer-Wieruszowski als Museumsleiterin erstellte solch eine Liste und gab, da sie mit einem Juden verheiratet war, darauf auch ihren eigenen Namen an. Entgegen des ursprünglichen Stiftungsvertrages verlor sie in der Folge 1937 ihre Stelle als Direktorin und durfte das Museum nicht mehr betreten. Finanzielle oder ideelle Ansprüche auf die Sammlung wurden ihr genauso verwehrt wie eine ihr zustehende Rente. Frieda Fischer-Wieruszowski wurde von Seiten der NSDAP nahegelegt ihren Mann zu verlassen um so zurück an ihre Posten zu kommen. Sie entschied sich jedoch dagegen und das Paar wurde fortan vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

    Der drohenden Deportation entgingen die Beiden zunächst wohl durch die weitere Publikationstätigkeit Frieda Fischer-Wieruszowskis. Sie veröffentlichte 1938 und 1942 noch ihre früheren Reisetagebücher. So rief sie ihr Vermächtnis wieder in die öffentliche Erinnerung. In ihren Tagebüchern, die bis heute erhalten sind, beschrieb sie 1941, wie befreundete Paare aus der Voigtelstraße, die im Sinne der Nazis ebenfalls in „Mischehen“ lebten, die Stadt über Nacht in Richtung Schweiz verließen.

    Das Paar Fischer-Wieruszowski wurde bald dazu gezwungen, in ihrem Haus mehrere jüdische Familien aufzunehmen. Das Haus galt nun als „Ghetto-Haus“, in das Juden und Jüdinnen, ab 1943 auch Personen, die in „Mischehen“ lebten, zwangseingewiesen wurden, da bestimmte Teile der Stadt für sie nicht mehr betretbar waren und sie in der Folge ihre Wohnungen und Häuser nicht mehr betreten durften.

    Am 20. Oktober 1944 wurden Frieda und Alfred von der Gestapo gezwungen ihr Haus zu verlassen. Die Gestapo führte eine gezielte Aktion gegen Personen durch, die ihrer Ansicht nach in „Mischehen“ lebten. Die jüdische Person der Ehe sollte sich im Deportationslager in Müngersdorf einfinden. Von dort wäre sie weiter in Konzentrationslager gebracht worden. Wohl auch durch die Hilfe eines Pfarrers konnte das Paar diesem Schicksal entgehen und floh zunächst nach Dresden. Frieda war zu diesem Zeitpunkt gehbehindert, Alfred bereits in einem hohen Alter und ebenfalls gebrechlich. Nach kurzem Aufenthalt wurden sie auch aus Dresden ausgewiesen und zogen weiter nach Berlin, wo Friedas Bruder wohnte. In Berlin kam Alfred in ein jüdisches Krankenhaus und starb dort im Februar 1945. Seine Frau durfte ihn nicht mehr besuchen. Frieda Fischer-Wieruszowski, die das Kriegsende in Berlin noch erlebte, vermisste Köln, das Museum, ihre Freunde und hatte den Wunsch nach Köln zurückzukehren. Dort hat sie jedoch keinen Besitz, keine Wohnung mehr.
    Die Stadt ging auf Forderungen einer Freundin Friedas, ihr eine Pension und eine kleine Wohnung zu stellen, nicht ein. Im Dezember 1945 starb Frieda Fischer-Wieruszowski bei ihrem Bruder in Berlin in armseligen Verhältnissen an Entkräftung. Sie wurde zunächst in Berlin begraben. 1952 wurden ihre sterblichen Überreste von einem jüdischen Friedhof in Berlin nach Köln überführt und hier auf dem Melatenfriedhof im Ehrengrab ihres ersten Mannes bestattet. Heute erinnert der Frieda-Fischer-Weg am Aachener Weiher, nahe des neuen Museums für Ostasiatische Kunst, an sie.

    Quellen:

    https://museum-fuer-ostasiatische-kunst.de/Geschichte

    https://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-kulturfeature/frieda-fischer-museum-ostasiatische-kunst-100.html

  • NS-Elite in Braunsfeld

    Dieser Blog soll vor allem der Erinnerung an die Opfer des NS in Braunsfeld dienen. In folgenden Beitrag liegt der Fokus jedoch auf der Täterseite. Denn auch das Benennen der Verantwortlichen für den Holocaust ist uns ein Anliegen. Die Profiteure des NS, zu denen gerade in Braunsfeld ein überwiegender Teil der Bevölkerung gehörte, führten in der Regel ein „normales“ Leben. Auch nach 1945 gingen sie ihren Berufen und Karrieren nach, partizipierten im Vereinsleben, lebten weiter in ihren Häusern. Vergessen und verdrängt wird im Zuge von Familien-, Unternehmens und Stadtteilgeschichten oftmals der Profit an den Enteignungen, der Verfolgung und Ermordung der jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn.
    Auf die im Folgenden erwähnten Personen, die alle im Zusammenhang mit dem nationalsozialistischen Regime standen, sind wir bei unseren Recherchen gestoßen. Ein vollständiges Bild, dass die Verbindungen zwischen diesen Amtsträgern, Wirtschafts- und Funktionseliten näher beleuchtet lässt sich an dieser Stelle nicht zeichnen. Die Häufigkeit, mit der die NS-Funktionsträger in unmittelbarer Nähe zueinander in Braunsfeld lebten, lässt jedoch einen Eindruck davon entstehen, wie „braun“ das alltägliche Leben in diesen Straßen war.

    Wer sich auf die Spuren des Nationalsozialismus begibt wird in Braunsfeld relativ schnell fündig. In dem ruhigen, eher wohlhabenden Stadtteil im Kölner Westen lässt sich nicht nur die lokale Geschichte rekonstruieren, Braunsfeld war auch ein Ort an dem in den 1930er Jahren Ereignisse von überregionaler Bedeutung stattgefunden haben. Dieser Umstand hängt vor allem damit zusammen, dass hier, in den großzügigen Häusern am Stadtwald, eine Elite aus Politik und Wirtschaft Tür an Tür lebte.

    So gingen unsere anfänglichen Recherchen auf den Hinweis zurück, dass in dem Haus in der Friedrich-Schmidt-Straße 54a einst mit Max Brüggemann ein im Nürnberger Prozess gegen die I.G. Farben angeklagter Wirtschafts-Funktionär lebte. Später fanden wir heraus, dass er ab 1941/42 sogar Eigentümer des Hauses war, wobei er höchstwahrscheinlich durch „Arisierung“ in seinen Besitz kam. Max Brüggemann war Vorstandsmitglied und Chef-Justitiar der IG Farben. Der Chemie- und Pharma-Konzern profitierte während des faschistischen Regimes massiv an Enteignungen und der Versklavung von Zwangsarbeiter*innen.

    Die Familie Brüggemann befand sich spätestens ab 1938, als der Großteil der Jüdinnen und Juden geflohen war, in einer Nachbarschaft, in der eine Vielzahl lokaler und regionaler NS-Größen lebte. Viele von ihnen profitierten immens von der Zusammenarbeit mit dem Regime der NSDAP oder waren gar integraler Bestandteil des NS-Systems und seiner Institutionen.

    Am 04. Januar 1933 fand in der Villa des Bankiers Kurt Freiherr von Schröder am Stadtwaldgürtel 35 das Geheimtreffen zwischen Franz von Papen und Adolf Hitler statt. Der Kölner Bankier hatte zusammen mit anderen national-konservativen Industriellen dieses Treffen organisiert, bei dem die Machtübernahme durch eine Koalition zwischen Hitler, Papen und Hugenberg vorbereitet wurde. Schröder hatte in der Folge eine Vielzahl von Posten in NS-Wirtschaftsorganisationen, er war unter anderem Präsident der Gauwirtschaftskammer Köln-Aachen, SS-Brigadeführer und ein enger Berater Adolf Hitlers.

    Am Hültzplatz (von 1937 bis 1945 „Julius-Schreck-Platz“, benannt nach dem Mitbegründer und erstem Führer der SS) befand sich das Machtzentrum der NSDAP in Braunsfeld und Köln. Hier hatte die 58. SS-Standarte ihre Geschäftsstelle. Sie war hier wohl auch zum Schutz von Josef Grohé stationiert, der in der äußerst repräsentativen Villa in der Fürst-Pückler-Straße 58 residierte.
    Josef Grohé war der eigentliche Machthaber im Gau Köln-Aachen. Als Gauleiter und Chef der Kölner NSDAP war der äußerst engagierte Nationalsozialist mitverantwortlich für die Verfolgung politischer Gegner. Er organisierte die Unterdrückung der Kirchen und trieb die Entrechtung der Juden und Jüdinnen voran, gegen die er in seinen Reden immer wieder hetzte.

    Mit Grohé zusammen arbeitete der Gauamtsleiter des Presseamtes Martin Schwaebe. Er wohnte in der Fürst-Pückler-Straße 72 und war zudem, wie zuvor auch Grohé, Chefredakteur der antisemitischen NSDAP-Zeitung „Westdeutscher Beobachter“.

    Ein Haus in der Friedrich-Schmidt-Straße 60 diente den von der NSDAP eingesetzten Kölner Oberbürgermeistern als Wohn- und Dienstsitz. Die Villa hatte bis 1937 Leo Katzenstein gehört, einem jüdischen Textilhändler. Er wurde jedoch durch Bedrohung, wirtschaftlichen Druck und Verfahrentricks zum Verkauf an die Stadt gezwungen.
    1937-1940 lebte hier der OB Karl Georg Schmidt. Er war zunächst Hauptgeschäftsführer der IHK und hatte weitere Parteiämter inne: er fungierte als Gauamtsleiter der NS-Handels- und Gewerbeorganisation, als Gau-Wirtschaftsberater, sowie Gauwalter der DAF. Durch die Ämterhäufung war er die maßgebliche Triebkraft der sogenannten „Arisierung“ in Köln, d.h. der wirtschaftlichen Ausplünderung der Juden.
    1941-1944 hatte der OB Peter Winkelnkemper seinen Amtssitz in dem Haus am Stadtwald. Er war zuvor Gau­pres­se­amts­lei­ter und Chef­re­dak­teur des „West­deut­schen Be­ob­ach­ter­s“ und zählte somit ebenfalls zu den führenden lokalen NS-Propagandisten. Sein Bruder, Toni Winkelnkemper, war zudem Propagandawart des Gaus, sowie Intendant des Reichssenders Köln.

    In der Nachbarschaft wohnten weitere Amtsträger des Regimes. In der Friedrich-Schmidt-Straße 54 wohnte der Gauamtsleiter Erich Evertz. Er war, genauso wie der in der Raschdorffstraße 16 wohnende Carl Coerper (1886-1960, Amts­zeit 1926-1945) Beigeordneter der Stadt Köln. Dr. Koerper war Bei­ge­ord­ne­te für Ge­sund­heits­we­sen, in dieser Funktion war er unter anderem für die Durchsetzung von Zwangssterilisationen verantwortlich und setzte in diesem Zusammenhang die Versetzung und frühzeitige Pensionierung des widerständigen Arztes Franz Vonessen durch, der ebenfalls in Braunsfeld wohnte. Coerper wur­de 1946 Be­ra­ter beim Evan­ge­li­schen Hilfs­werk in NRW.
    NSDAP-Ortsgruppenleiter in Braunsfeld war ab 1943 Heinrich Soentgen.

    In den Straßen nahe des Stadtwalds lebten diese Männer, die über die NSDAP Karriere machten in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Liste der Namen ließe sich bei weiteren Recherchen vermutlich noch weiter ergänzen. Das Unrecht, dass auch und insbesondere von diesen Leuten ausging wird besonders augenscheinlich, wenn in Betracht gezogen wird, dass viele von ihnen in Häusern oder Wohnungen wohnten, in denen kurz zuvor noch Juden und Jüdinnen gewohnt hatten.



  • Stolpersteinverlegung in Köln-Braunsfeld – Erinnern gegen das Vergessen – Spendenaufruf

    Stolpersteinverlegung in Köln-Braunsfeld – Erinnern gegen das Vergessen – Spendenaufruf

     

    Liebe Nachbarinnen und Nachbarn, liebe Freundinnen und Freunde,

    wir haben zwischen November 2019 und April 2022 in einer großen WG im Haus in der Friedrich-Schmidt-Straße 54a in Köln-Braunsfeld gewohnt. Angeregt durch Gespräche mit unserer Nachbarin Annemarie Wagner haben wir angefangen die Geschichte des Hauses zu recherchieren. Dazu haben wir alte Telefonbücher des Greven-Verlags herangezogen, waren mit Archiven, dem Bürgerverein Müngersdorf und dem Kölner NS-Dokumentationszentrum in Kontakt.

    Die Ergebnisse der Recherchen möchten wir jetzt in die Öffentlichkeit tragen: Im Haus in der Friedrich-Schmidt-Straße 54a lebten vor und zu Beginn des Nationalsozialismus mehrere jüdische Personen, die Opfer faschistischer Enteignung, Vertreibung und Ermordung geworden sind.

     

    Wer lebte im Haus in der Friedrich-Schmidt-Straße 54a?

    Informationen zu den Biographien von Opfern der Verbrechen des Nationalsozialismus sind oft unvollständig. So sind es auch unsere Ergebnisse. Es folgt ein kurzer Überblick über einige der Personen, die in der FS54a gelebt haben.

    Maria & Rudolf Callmann

    Maria (geb. Hess) Callmann und Rudolf Callmann wohnten bis 1936 in der FS54a, in der unteren Etage. Rudolf Callman war der Sohn von Maximilian Callmann, der im Kölner Stadtrat saß und Vorstandsmitglied der Synagogengemeinde war. Zusammen mit seinem Bruder führte Rudolf Callmann eine Kanzlei für Marken- und Wettbewerbsrecht. Rudolf Callmann war 1930 im Vorsitz des linksrheinischen Landesverbands des »Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens« (CV). 1936 flohen Maria Callmann und Rudolf Callmann in die USA, wo Rudolf Callmann weiterhin als Anwalt praktizierte. Über Maria Callmann konnten wir bisher keine weiteren Informationen finden.

    Martha & Samuel Mayer

    Auch das Ehepaar Samuel Mayer und Martha Mayer (geb. Joachimczyk) wohnte in der FS54a, in der ersten Etage. Samuel Mayer war zusammen mit seinem Sohn Friedrich Geschäftsführer eines Möbelunternehmens. Er wurde 1942 in Theresienstadt ermordet. Nachdem sie die Friedrich-Schmidt-Straße verlassen hatte, wohnte Martha Mayer noch für einige Zeit in der Bismarckstraße 12. Sie verstarb 1941, laut Todesschein an einer Überdosis des Schlafmittels Veronal. Von der gesamten Familie gelang nur dem Sohn Friedrich Mayer die Flucht nach Frankreich. Seine Frau Eugenie Mayer und die Kinder Erika und Gerhard wurden 1942 im Vernichtungs­lager Chelmno ermordet.

    Else & Isidor Hermanns

    Else und Isidor Hermanns lebten 1936 bis 1938 im Erdgeschoss des Hauses. Wir vermuten, dass Isidor Hermanns 1938 nach Belgien floh und er dann 1938 von Mechelen nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde. Über Else Hermanns konnten wir noch weiteren Informationen finden.

    Ernestine & Alfred Marx

    Weitere Bewohner*innen des Hauses waren Ernestine, genannt Tynia und Alfred Marx. Alfred Marx war ebenso wie Samuel Mayer Unternehmer in Köln. Tynia und Alfred Marx wohnten von 1933–1934 mit ihren Kindern Rita und Karl in dem Haus. Bis auf den Sohn Karl überlebte kein Familienmitglied die Shoah. Tynia, Alfred und Rita Marx wurden 1941 in Chelmno ermordet.

    Nähere Informationen – auch zu Täter*innen, die im Haus lebten – findet Ihr auf unserem: Blog


    Falls Ihr noch weitere Informationen zu den Personen oder anderen Bewohner*innen der FS54a habt, meldet euch sehr gerne bei unten stehenden Kontaktdaten.

     

    Wie kann man mit der Geschichte dieses Hauses umgehen?

    Die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Hauses und dem Wohnumfeld während des Nationalsozialismus ist für uns noch lange nicht abgeschlossen. In Köln-Braunsfeld lebten wie überall jüdische Familien Tür an Tür mit nationalsozialistischen Täter*innen. Wir halten einen offensiven Umgang mit der Geschichte des Hauses für unumgänglich.

    Im April 2022 haben wir einen Artikel über die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner*innen in der Kölner Stadtrevue veröffentlicht (https://www.stadtrevue.de/archiv/artikelarchiv/07528-ein-haus-am-stadtwald/).

    Am 18. Oktober (19.00 – 21.15 Uhr) stellen wir die Ergebnisse unserer Recherche in einem kleinen Vortrag im Café Zeitgeist vor (Clarenbachplatz 2, Teilnahme kostenlos).

    Am 19. Oktober 2022 (11:15 Uhr) werden als weiterer Schritt der Aufarbeitung und Erinnerung Stolpersteine vor dem Haus in der FS54a verlegt. Erinnert werden soll an dieser Stelle an Samuel Mayer, Martha Mayer, Dr. Rudolf Callmann, Maria Callmann und Ellen Callmann. Für Familie Marx gibt es bereits Stolpersteine am Karolingerring 17. Familie Hermanns wohnte zunächst in der Hültzstraße 25, wo es allerdings auch noch keine Stolpersteine gibt. Der Initiator der Stolpersteine, Gunter Demnig wird die Verlegung persönlich durchführen.

    Die Verlegung eines Steins kostet 120 € und wird über Spenden finanziert. Wir benötigen daher 600 € und würden uns sehr freuen, wenn Ihr das Vorhaben unterstützen möchtet.

    Für die Verlegung der Stolpersteine sammeln wir Spenden über den gemeinnützigen Verein

    Machbarschaft Petershof e.V.

    IBAN: DE55 4306 0967 1283 7537 00, GLS Bank

    Verwendungszweck: Stolpersteine

    Oder über das Onlinetool unter http://www.petershof.org/verein, Betreff: Stolpersteine

    Wenn Ihr eine Spendenquittung wünscht, schreibt bitte eine kurze Mail an info@petershof.org (KLEINGEDRUCKT)

    Überschüssige Spenden werden an den Förderverein des NS-Dokumentationszentrums weitergereicht.

    Vielen Dank für Eure Unterstützung!

    Benni, Ben, Clara, David, Hannah, Hannah, Julia, Marlene, Mona, Nadja, Nora, Ricci, Saskia, Steffen, Till und Tom